Recycling alter Grabsteine
Altsteinverwendung – Möglichkeiten und Grenzen
Hin und wieder erreichen uns Anfragen zur Umarbeitung alter Grabmale. Grundsätzlich ist das möglich, unter bestimmten Voraussetzungen: der vorhandene Stein muss den aktuellen Vorgaben der Friedhofssatzung entsprechen und sich in einem geeigneten Zustand befinden.
Ebenso spielt die Motivation dahinter eine Rolle. Handelt es sich um ein Grabmal aus der eigenen Familie mit emotionalem Wert, kann eine Umarbeitung eine sinnvolle und pietätvolle Lösung sein.
Bei „fremden“ alten Grabsteinen sollte jedoch genau abgewogen werden. Häufig steht die Erwartung im Raum, dass ein gebrauchter Stein besonders günstig sei.
In der Praxis ist das selten der Fall, denn Demontage, Transport, Begutachtung und Bearbeitung sind zeit- und personalintensiv und verursachen hohe Kosten. Auch die emotionale Komponente spielt eine Rolle, denn nicht jeder Angehörige empfindet einen gebrauchten Stein als passend.
Welche Arbeiten bei familieneigenen Grabsteinen anfallen
Bei der Umarbeitung eines vorhandenen Grabmals entstehen zusätzliche Schritte, die bei einem neuen Stein nicht anfallen:
- Der Altstein wird schonend abgebaut und in unseren Betrieb transportiert
- Anschließend gründlich auf Risse, Brüche oder Abplatzungen geprüft, die oft erst sichtbar werden, wenn der Stein bewegt oder bearbeitet wird
- Die Schriftfläche wird je nach Wunsch abgefräst, poliert und ggf. neu bearbeitet
- Die Nebenseiten benötigen Reinigung oder eine neue Bearbeitung
- Soll die Form verändert werden, kommen weitere Arbeitsschritte hinzu
- Trotz aller Sorgfalt bleibt ein Restrisiko. Manche Schäden zeigen sich erst spät im Bearbeitungsprozess, wenn bereits viel Zeit investiert wurde.
Bei „fremden“ Grabsteinen kommt zusätzlich die Beschaffung des Altsteins hinzu.
Dieses Beispiel zeigt eine Umarbeitung mit familiärem Bezug:


Hier haben wir einen alten Stein ohne familiären Bezug umgearbeitet:


Friedhofssatzungen und technische Grenzen
Friedhofssatzungen geben Mindestdicken sowie bestimmte Maße vor. Viele alte Steine erfüllen diese Vorgaben nicht mehr oder verlieren durch die Umarbeitung an Stärke. In solchen Fällen sind zusätzliche Arbeiten nötig, oder der Stein kann gar nicht verwendet werden.
Auch die Begutachtung ist bei Altmaterial eingeschränkt. Eingelagerte Steine stehen dicht an dicht, wiegen mehrere hundert Kilo und lassen sich nicht „mal eben“ in unverbindlichen Beratungsterminen bewegen.
Zudem sind alte Steine je nach Sorte verschmutzt und patiniert. Nach der Aufarbeitung verändert sich die Optik oft deutlich, was sich im Vorfeld nicht erahnen lässt.
Für kundenseitig geliefertes oder anderweitiges Altmaterial übernehmen wir zudem keine Gewährleistung.

Unterschiedliche Erwartungen – ein realistischer Blick
Beim Thema Altsteinverwertung treffen drei Perspektiven aufeinander:
- Neukunden, die einen gebrauchten Stein suchen, meist aus Preis- oder Nachhaltigkeitsgründen
- Besitzer alter Grabmale, die diese abgeben möchten, häufig mit der Erwartung einer Vergütung
- Wir als Betrieb, die Aufwand, Lagerfläche, Risiken und Kosten tragen müssen. Abbau, Transport, Lagerung und eventueller Ankauf verursachen Kosten. Zudem besteht das Risiko, dass ein alter Stein über Jahrzehnte ungenutzt bleibt. Daher kaufen wir keine alten Steine an.
Warum wir häufig zu einem neuen Grabmal raten
Ein neues Grabmal wird individuell nach Ihren Vorgaben und den technischen Vorgaben der Satzung gestaltet. Wir geben Gewährleistung auf das Material und finden gemeinsam eine Lösung, die ästhetisch und wirtschaftlich sinnvoll ist.
Dabei muss es nicht die teuerste Steinsorte sein. Es gibt preiswerte Varianten sowie zahlreiche deutsche und europäische Gesteine, die nachhaltig gewonnen und ohne lange Transportwege verarbeitet werden.
Unser Fazit
Wir nehmen Ihre Wünsche ernst und prüfen jeden Altstein sorgfältig. Wenn die genannten Voraussetzungen erfüllt sind, kann eine Umarbeitung eine schöne und nachhaltige Lösung sein.
Häufig ist sie jedoch – ähnlich wie bei einem Oldtimer – aufwändiger und damit teurer als ein neues Modell. Altersspuren gehören dazu, und die zusätzliche Arbeitszeit übersteigt schnell den Materialwert. Unsere Arbeit ist Handwerk im Wortsinn: präzise, zeitintensiv und mit hohem Qualitätsanspruch.